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KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (30) © 2009, Sonja Hubmann

  Gerade jedoch, als sie ihm ein diesbezügliches Kompliment machen wollte, erkundigte sich Natalia besorgt bei Ernesto: „Hattest Du niemals Angst während eines solchen Anfalls zu ersticken?“ Der nun wieder zu Kräften gekommene Asthmatiker verneinte mit einem tapferen Lächeln: „Nicht wirklich, aber dafür war mein Vater immer sehr besorgt um mich. Am liebsten hätte er mich unter einen Glassturz gestellt. Zum Glück hat meine Mutter aber anders gedacht und mich immer zu sportlichen Aktivitäten ermutigt.“ Während sich Natalia immer näher an Ernesto heranpirschte, wollte Katharina dem Phänomen Asthma noch weiter auf den Grund gehen: „Aber, wenn Asthma eine Atemnot verursacht, dann ist Sport doch besonders gefährlich, oder?“  „Nein“, korrigierte Matías sympathisch lächelnd, „Sport ist immer gut, besonders Schwimmen.“ Ernesto stimmte ihm unumwunden zu: „Ja, meine Mutter hat mich schon ziemlich früh zum Schwimmen mitgenommen. Sie selbst ist ja auch eine hervorragende Schwimmerin.“ Kat...

KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (29) © 2009, Sonja Hubmann

  Das Mädchen begutachtete ein weiteres Foto, auf dem Ernesto mit einem Hund abgelichtet war. In Ermangelung eines besseren Gesprächsthemas tippte sie auf den schwarzen Schnauzer Pinscher: „Ist das Dein Hund?“ Ernesto betrachtete das Foto mit Wehmut und antwortete: „Es war mein Hund. Ein Hundefänger hat ihn vor etwa zwei Jahren vergiftet.“, gestand er niedergeschlagen. Katharina schluckte betroffen: „Das ist ja grauenvoll.“ „Du sagst es“, nickte er, „der Hundefänger hat ihm Zyankali auf den Rücken gesprüht. Es muss einen ziemlichen Juckreiz verursacht haben, denn Negrina, so hatte ich die Hundedame getauft, leckte sich das Gift sofort vom Rücken. Ihr Todeskampf war schrecklich.“  Ernesto versuchte seinen Schmerz möglichst nicht zu zeigen, aber Katharina konnte seine Trauer dennoch fühlen. Sie getraute sich in Anbetracht der depressiven Stimmung, die gerade im Raum herrschte, jedoch keine weitere Frage anzuhängen. Ihr gedrückter Gastgeber fügte aber noch eine gedankenversunkene...

KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (28) © 2009, Sonja Hubmann

  Katharina überlegte nun, wie sie die Konversation mit dem charismatischen Jungen in Gang halten könnte. Sie sah sich im Raum um und entdeckte schließlich eine Schwarzweiß-Fotografie, auf der drei Damen mit einem kleinen Kind zu sehen waren. Die beiden jüngeren trugen gespenstisch anmutende Rundhüte, die sie tief in die Stirn gezogen hatten. Katharina tippte mit dem Zeigefinger auf den kleinen Jungen, der von einer der drei Frauen im Arm gehalten wurde und erkundigte sich neugierig: „Bist Du das?“ Ernesto nickte ertappt: „Ja, und das …“, stellte er die anderen vor, „…das ist meine Mutter, das ist meine Tante Beatriz und das hier ist meine Großmutter. Wie unschwer zu erkennen ist, liegt das Foto schon etliche Jahre zurück.“, schmunzelte er.  Katharina schenkte der streng wirkenden Tante Beatriz noch einmal einen prüfenden Blick und tat ihren ersten Eindruck kund: „Deine Tante sieht auf dem Foto ziemlich düster drein.“ Ernesto korrigierte jedoch sofort: „Leider zeigt dieses Fot...

KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (27) © 2009, Sonja Hubmann

Ernesto klopfte seinem Freund Matías auf die Schulter und blinzelte zeitgleich Katharina zu: „Na? Haben euch meine Eltern schon die wichtigsten Schauergeschichten über mich erzählt?“ Katharina schüttelte lächelnd den Kopf: „Nein, sie haben uns nur von der Mate-Plantage erzählt und dass ihr von dort weggezogen seid.“ Ernesto bestätigte diese Tatsache mit einem kurzen Nicken und setzte sich lässig auf einen im Raum befindlichen Holztisch, an dem bereits Natalia lehnte. Sichtlich erfreut über diese unerwartete Annäherung strahlte das dunkelhaarige Mädchen ihren Schwarm an.  Da es ihr in Ernestos Gegenwart aber offenbar die Sprache verschlagen hatte, erkundigte sich Katharina weiter: „Und seit wann lebst Du hier in Córdoba?“ Ernesto glitt zu Natalias Enttäuschung wieder vom Tisch herunter und überlegte halblaut: „Also, im März 1942 begann ich hier im ‚Déan Fu‘ zu studieren …“ Mit Déan Fu‘ meinte er wohl seine Schule, das Colegio Nacional Déan Funes. Matías erinnerte sich mitfühlend: ...

KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (26) © 2009, Sonja Hubmann

„Wofür interessierst Du Dich?“, wollte er nun von Natalia wissen. Die hübsche 15jährige räusperte sich verlegen und starrte unschlüssig auf die riesige Bibliothek, bis sie einfach wahllos ein Themengebiet nannte: „Poesie. Ich mag Gedichte!“, gestand Natalia. Ihr Angebeteter strich sich lässig über sein pechschwarzes Haar und trat dicht an Natalia heran. Theatralisch nahm er ihre zarte Hand und begann mit seinem Vortrag: „Para mi corazón basta tu pecho, para tu libertad bastan mis alas …“.  Den Rest dieses Gedicht rezitierte er mit warmherziger Stimme, setzte allerdings immer wieder kantige Akzente, die seinen Vortrag noch fesselnder machten, zumindest für Natalia, die gebannt an seinen wohlgeformten Lippen hing. Auch Matías lauschte den Worten seines Schulkameraden und fixierte diesen mit seinen tiefblauen Augen. Einzig und alleine Katharina ließ sich von der weiteren Inspektion des Bücherregals nicht ablenken.  Während Ernesto sein Herzblut in das wortgewaltige Gedicht legt...

KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (25) © 2009, Sonja Hubmann

  Gerade, als die Unterhaltung noch politischer zu werden drohte, kam Roberto mit schmerzverzerrtem Gesicht ins Zimmer gerannt: „Autsch, ich hab‘ mir den Finger verstaucht. Ernesto hat viel zu scharf geschossen.“, beklagte er sich bei seiner Mutter, die sich jedoch nicht besonders besorgt zeigte. „Zeig mal her“, forderte sie ihren Sohn auf und begutachtete seinen etwas angeschwollenen Mittelfinger. Nach eingehender Prüfung riet sie ihm emotionslos: „Halte ihn unters kalte Wasser.“ In diesem Augenblick erschien auch Ernesto im Raum und grinste provokant: „Er hat gesagt, ich soll schärfer schießen. Genau das habe ich getan. Er muss wohl noch lernen Schmerzen zu ertragen.“  Sein mitleidloser Blick erregte jedoch Frau Ferrers Gemüt: „Aber Du kannst doch nicht alle an Deiner eigenen Schmerzunempfindlichkeit messen.“, rügte sie ihn mit gebotener Zurückhaltung. Ernesto Senior schwang theatralisch seinen rechten Arm in die Luft, gestikulierte wie ein großer Feldherr und verlautbarte m...

KATHARINA SCHLÄFT "El Che" (24) © 2009, Sonja Hubmann

  Eine kurze Stille hatte sich im Raum breitgemacht. Man hörte lediglich die enthusiastischen Zurufe der beiden Rugby-Spieler, die sich im fliesenbedeckten Innenhof lautstark das Rugby-Ei zuwarfen. Matías, den die Lebensgeschichte der Guevaras sichtlich interessierte, erkundigte sich weiter: „Und warum sind Sie aus Misiones weggezogen?“ Ernesto Senior seufzte schwermütig: „Aus zwei Gründen: Ernestos Asthma und meine Werft in Río de la Plata, die nicht mehr so gut ging, weil damals mein Teilhaber aus dem Unternehmen ausgestiegen ist. Wir sind daher Ende 1929 nach Buenos Aires gefahren.“ „Erinnere mich bloß nicht daran“, jammerte Celia kopfschüttelnd, „diese vier Stunden flussaufwärts waren damals grauenvoll.“  „Wieso denn das?“, forschte Katharina mit neugierigem Blick. Celia überließ großzügig ihrem Mann die weiterführende Erzählung: „Ich muss sagen, dass meine Frau damals schon mit unserer Tochter schwanger war. Das hat die Sache nicht gerade einfacher gemacht. Wir wollten...